Repellentien - Insektenabwehrende Mittel
In den letzten Jahren hat die Bedeutung von insektenabwehrenden Mitteln ( Repellentien ) zur Vorsorge gegen Insekten und Spinnentiere, die Krankheitserreger übertragen, zugenommen. Denn einerseits sind zahlreiche krankheitsübertragenden Insekten gegen Insektizide (Insekten abtötende Mittel) unempfindlich geworden, und andererseits sind einzelne bislang auf die Tropen begrenzte Insekten mitsamt ihren Krankheitserregern, die sie mit sich führen, in Südeuropa heimisch geworden. Durch die Globalisierung und Reisefreudigkeit stellt dies zunehmend ein Problem dar, auch wenn bei aller Vorfreude auf den Urlaub, dies dem Urlauber oft nicht bewusst ist. Hier möchten wir unbedingt zur Aufklärung beitragen.
Und auch wenn eine gemeine Mücke keine schlimmen Krankheiten überträgt, kann sie doch sehr lästig sein.
Insekten und Spinnentiere sind Transporteure für eine große Zahl krankmachender Mikroorganismen- von Viren über Bakterien bis zu Protozoen und Nematoden. Weltweit infizieren Stechmücken, Fliegen, Läuse, Flöhe, Zecken und Wanzen jedes Jahr mehr als 700 Millionen Menschen. Einzelne Insekten können durchaus verschiedene Mikroorganismen übertragen, andererseits findet sich ein bestimmter Mikroorganismus nicht nur in einer Insektenart, sondern durchaus in Mehreren. Einige krankheitsübertagende Insekten sind geographisch beschränkt, andere kommen weltweit vor oder breiten sich aus.
Zahlreiche der durch Insekten und Spinnentiere übertragenen Krankheiten sind gefährlich, einige sogar lebensbedrohlich. Nur für die Malaria gibt es die Möglichkeit der Vorbeugung mit Tabletten und nur für einige wenige Viruserkrankungen die Vorbeugung mit einer Impfung (z.B. FSME durch Zecken). Daher kommt der Vorsorge mit Insektenabwehrenden Mitteln eine zentrale Bedeutung zu. Allein in Deutschland treten jedes Jahr 60 000 bis 80 000 neue Fälle von Lyme-Borreliose (durch Zecken) und rund 300 Fälle von FSME auf.
Was sind Repellentien?
Repellentien sind Stoffe die Insekten fernhalten. Im Gegensatz zu Insektiziden, welche Insekten durch Kontakt abtöten.
Repellentien bilden durch Verdampfung einen wenige Millimeter dicken Schutzmantel über der Haut, welcher die Riechwahrnehmung der Insekten stört und diese fernhält. Repellentien sind entweder chemisch definierte Substanzen oder Pflanzenextrakte, die typischerweise ätherische Öle und Fettsäuren enthalten. Eine Sonderstellung nehmen Pyrethroide wie Permethrin und Allethrin ein. Diese Insektizide haben zusätzlich einen neurotoxischen Wirkungsmechanismus.
Folgende Kriterien wären optimal:
- Wirkung auf möglichst zahlreiche Arten blutsaugender Insekten / Spinnentiere
- Wirkzeit mindestens 8 Stunden
- geringe Wirkungsabnahme innerhalb der Wirkzeit
- optimale Konzentration im Bereich der Haut über den gesamten Wirkzeitraum
- keine Schädigung von Haut und Schleimhäuten
- nicht giftig beim Ablecken der Haut bzw. versehentlicher Einnahme z. B. durch Kinder
- geringe Aufnahme durch die Haut
- geringer Abrieb durch Kleidung, Schwitzen, Wasserkontakt
- geruchlos oder angenehmer Geruch
- keine Flecken auf Textilien-
- greift Kunststoffoberflächen nicht an, z.B. durch versehentliches Tropfen
- nicht zuletzt sollte es biologisch abbaubar, und umweltverträglich sein
Die Anforderungen an ein optimales Repellent sind hoch, leider gibt es kein ideales Produkt, welches all diese Kriterien optimal erfüllt.
Daher ist es sehr wichtig, nicht nur irgendein Repellent zu kaufen, sondern sich genau beraten zu lassen, damit das Produkt für Ihre Hauptintention geeignet ist.
Insekten und Spinnentiere nutzen unterschiedliche Eigenschaften bei der Findung eines Wirtes. Für Stechmücken beispielsweise ist der Geruch nach Schweiß des Menschen sehr entscheidend. Schweiß lockt Stechmücken regelrecht an. Luftzug beispielsweise durch eine Ventilator lässt das Repellent auf der Haut schneller verdunsten / verfliegen, dann kann es fast gar nicht mehr wirken. Auch sind große Menschen, erwachsene Männer für eine manche Arten der Stechmücke attraktiver als kleine Menschen, Frauen und Kinder. So kann es sein, dass ein Produkt für Kinder bei Kindern ausreichend anschlägt, aber bei erwachsenen Männern nicht. Entscheidend ist letztlich wie gut ein Repellent nicht nur im Labor den Erreger fernhält, sondern wie gut das Mittel in der Realität verhindert, dass das Insekt seine Krankheit an den Menschen überträgt.
Es gibt verschieden Formen von Repellentien: Pumpspray, Lotion, Salbe, Flüssigkeit, Stift, Roll on, Feuchttuch, oder auch imprägniertes Armband.
Am wirksamsten sind Lotionen für die Haut, sorgfältig überall aufgetragen. Zusätzlich können Sprays für die Kleidung einen weiteren nützlichen Effekt bieten.
Es gibt auf dem Markt zahlreiche Produkte auch außerhalb der Apotheke. Nur für drei Wirkstoffe liegen aussagekräftige Studien vor. Dies sind DEET, Icaridin und EBAAP. Die Wirksamkeit eines Repellents hängt auch stark von der Konzentration des Wirkstoffs in dem Repellent ab. Eine Aussage beispielsweise „ mit DEET“ ist kritisch zu betrachten. Erst ab einer Konzentration von 50% ist die maximale Wirksamkeit erreicht, unter 5% ist auch „mit DEET“ keine Wirkung vorhanden. DEET ist das einzige synthetische Repellent, dessen Schutzwirkung in einer Protektionsstudie nachgewiesen wurde. DEET hat auch eine gut insektenabtötende Wirkung und dient als Imprägnierungsmittel für Moskitonetze. Produkte mit DEET und Alkohol sollte man eher vermeiden, da durch den Alkohol die Giftigkeit steigt. Leider hat man festgestellt, dass in den USA dieses Mittel nicht mehr gegen den häufigsten Malariaüberträger wirkt.
Icaridin hat ein ähnliches Wirkprofil wie DEET, penetriert aber in geringerem Maße durch die Haut. Teilweise lieferten Studien eine sogar bessere Wirksamkeit.
EBAAP wird in Europa seit 20 Jahren angewendet, trotzdem ist die Wirksamkeit schlecht dokumentiert, für Malaria und gefährliche Tropenkrankheiten ist es aufgrund der kurzen Wirkdauer eher ungeeignet.
Pyrethroide / Allethrin: Aufgrund der Giftigkeit sind diese nicht mehr empfehlenswert.
Sonderfall Kinder: Kinder vertragen nur bestimmte Substanzen, und diese dann auch nur in geringeren Konzentrationen, je nach Alter. Dies hat zur Folge, dass ein Schutz gegen lebensbedrohliche Krankheiten wie Malaria oder West-Nil Fieber oder Dengue Fieber nicht erfolgen kann ohne die verträgliche Dosis zu überschreiten. Wichtig ist beim Eincremen hier, nur die Areale einzucremen, die nicht mit Kleidung bedeckt sind, so dass die Konzentration des Repellents gering gehalten werden kann. Auch Kombinationsprodukte mit verschiedenen Inhaltsstoffen sind bei Kindern nicht empfehlenswert. Icaridin soll bei Kindern unter zwei Jahren nicht angewendet werden, und bei EBAAP ist die Datenlage unzureichend.
Unsachgemäße Anwendung eines Repellent sind: zu hohe Konzentration des Mittels für die Altersstufe, zu häufige Wiederholungen pro Tag, Anwendung über einen langen Zeitraum. Dieses kann zu schweren Störungen des Zentralnervensystems führen (Krämpfe…), auch kardiovaskuläre und allergische Nebenwirkungen sind bekannt.
Schwangeren sollte ganz abgeraten werden.
Pflanzliche Mittel sind nicht per se unbedenklich. Die stärksten Gifte kommen aus der Pflanzenwelt. Zahlreiche Mittel führen zu Allergien, machen die Haut lichtempfindlich oder z. B. Teebaumöl schädigt in hoher Konzentration die Nieren und gilt als möglicherweise krebserregend.
Repellenzien auf pflanzlicher Basis
Zahlreiche Pflanzen produzieren Stoffe, die eine abwehrende Wirkung auf Insekten haben. Sellerie, Patschuli, Neembaum, Zitroneneukalyptusbaum, Gewürznelken, Zitronellgras, Duftgeranie, Kokospalme… Die meisten Untersuchungen gibt es bei Stechmücken. Manche wirken schlechter als synthetisch hergestellt Produkte, manche ähnlich gut oder besser. Meistens war die Dauer der Schutzwirkung deutlich kürzer. Außergewöhnlich gut belegt ist die Wirkung von Zanzarin. Eine zweimal tägliche Anwendung schützt sicher gegen eine Krankheitsübertragung durch Sandflöhe. Die Zeitschrift Test untersuchte im Labortest die Wirksamkeit von pflanzlichen Produkten gegen Zecken. Viele Produkte zeigten im Labortest deutlich schlechtere Wirkung als die synthetischen, und doch finden sich Studien mit z. B. Geraniol die im Feldversuch erfolgreich waren.
Citriodiol oder auch P-Menthan-3,8-iol ein Stoff aus dem Zitroneneukalyptusbaum wird oft technisch hergestellt, und zeigt sogar besseren Schutz gegen Malaria als DEET.
Akustische Insektenabwehr und die Einnahme von Vitamin B ist nicht positiv nachgewiesen.
Wie geht man also bei der Auswahl des „perfekten“ Repellents vor?
Grundsätzlich muss zwischen einer Vorsorge in Deutschland, Nordeuropa, im Mittelmeerraum und in den Tropen unterschieden und vor jeder Empfehlung eine Gefahren-Nutzen Abwägung getroffen werden. Auf eine hohe Wirksamkeit und eine lange Wirkdauer muss immer dann geachtet werden, das Repellent vor gefährlichen Krankheiten schützen soll: Malaria, Dengue Fieber, Borreliose. Geht es dagegen lediglich darum lästige Insekten und damit unangenehme Insektenstiche zu vermeiden muss der Aspekt der Unbedenklichkeit im Vordergrund stehen.
Mückenabwehr in den Sommermonaten in Deutschland und Mitteleuropa - Abwehr von Zecken in Gebieten ohne FSME und Lyme-Borreliose
Repellenzien auf pflanzlicher Basis mit nachgewiesener Wirksamkeit gegen Stechmücken und / oder Zecken: (z. B. Kokosnussöl, Citriodiol oder Geraniol) Eine relativ kurze Wirkdauer kann durch mehrfaches Auftragen ausgeglichen werden.
Expositionsprophylaxe in Gegenden in denen Zecken Krankheitserreger übertragen: (FSME, Borreliose, usw.)9 Synthetische Repellentien, die DEET, Icaridin oder EBAAP enthalten und deren Wirksamkeit gegen Zecken nachgewiesen ist.
Expositionsprophylaxe in Nordeuropa gegen Stechmücken und im Mittelmeerraum gegen Schmetterlingsmücken: Breit wirkenden pflanzliche Repellenzien auf der Basis von Neem oder Pelargonium
Expositionsprophylayse gegen gefährliche Infektionskrankheiten in den Tropen und Subtropen: Hochwirksame synthetische Repellenzien mit einer langen Schutzdauer, bei Kindern alternativ Citridiol










